Redigieren – Bedeutung und Unterschiede zum Lektorat, Tools und Tipps

redigierenWas heißt redigieren? Das Wort kommt aus dem Lateinischen (redigere, was unter anderem ‚in Ordnung bringen‘ bedeutet). Der Bedeutungsinhalt dieses Wortes im deutschen Sprachgebrauch: Ein Text wird final bearbeitet, sodass er reif für eine Veröffentlichung ist.

Eine solche Bearbeitung, die Schlussredaktion also, kann für den realen Arbeitsumfang ein ausschließliches Korrektorat oder aber auch ein zusätzliches Lektorat bedeuten – je nachdem, in welchem Umfang Mängel vorzufinden sind. Zusätzlich zu den beiden genannten Arbeitsschritten bedeutet das Redigieren von Texten oft, dass zusätzlich das Layout eines Textes optimiert wird.

Dieses Wort wird relativ selten (nämlich vor allem in der Fachsprache und in publizierenden Unternehmen) verwendet, weshalb im Umgang mit dieser Vokabel häufig – und sogar bei studierten Sprach- oder Literaturwissenschaftlern – Unsicherheit besteht. Der Grund dafür: An der Universität erfolgt meist keine Auseinandersetzung mit diesem Verb. Sollte es erwähnt werden, geschieht dies beiläufig, und Professoren werden stillschweigend voraussetzen, dass die Bedeutung dieses Wortes geläufig ist.

In den nächsten Absätzen gehen wir auf die einzelnen Unterschiede zwischen diesen Wörtern (lektorieren, korrigieren und redigieren) ein, sodass Sie sich mit der Bedeutung und Verwendung des Wortes, welchem die Startseite dieser Webpräsenz gewidmet ist, noch vertrauter machen können.

 

Was ist der Unterschied zwischen dem Redigieren und dem Korrektorat?

Das Redigieren kann in seinem Arbeitsumfang mit einem Korrektorat deckungsgleich sein, und zwar in dem Fall, wenn ein Text ausschließlich sprachliche (und keine weiteren inhaltlichen) Mängel enthält.

Wird ein Redigieren eines Textes aufgetragen, versteht der Auftraggeber darunter (wenn ihm selbst die genaue Bedeutung dieses Wortes bewusst ist), dass Mängel sowohl sprachlicher, inhaltlicher als auch optischer Natur beseitigt werden. Sehr häufig wird das Wort im Arbeitsalltag jedoch salopp verwendet, wenn eigentlich ein Korrektorat oder Lektorat gemeint ist.

Um einmal vorzugreifen: Um einen Text sinnvoll redigieren zu können, muss man nicht nur ein gutes Gefühl für die deutsche Sprache mitbringen, sondern sich auch in dem jeweiligen Themenbereich gut auskennen. Eine gute Allgemeinbildung reicht in vielen Fällen nicht aus, um inhaltliche Fehler in einem Fachtext erkennen zu können. Ebenso wie Texte eines bestimmten Fachbereichs an ein Fachlektorat herangetragen werden, gibt es Journalisten, die sich auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert haben und entsprechende Texte redigieren. Auf die Frage, welche Voraussetzungen für das erfolgreiche Redigieren mitgebracht werden müssen, gehen wir weiter unten noch ausführlicher ein.

 

Wie unterscheidet sich das Redigieren von dem Lektorat?

  • In ihrem Grundwesen sind Lektorat und das Redigieren von Texten gleich: Optimiert jemand einen Text in Bezug auf seine Sprache und seinen Inhalt, können die Wörter lektorieren und redigieren synonym zueinander verwendet werden.
  • Ein kleiner Bedeutungsunterschied zwischen dem Lektorat und dem Redigieren zeigt sich im Sprachgebrauch dennoch: Während die Aufgabe eines Lektorats nach Beseitigung aller sprachlichen und inhaltlichen Mängel meist erledigt ist, steht bei dem Redigieren der Aspekt im Vordergrund, dass etwas nun tatsächlich veröffentlicht werden kann, d. h., dass auch optische Mängel beseitigt wurden. Jeder gewissenhafte Lektor oder Korrektor jedoch wird diese Aspekte in seine Arbeit miteinbeziehen und es anmerken, wenn er Fehler findet, die das Layout betreffen. Der Grund dafür: Diese Fehler sind gleichzeitig banal, und doch ist das Layout eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Text optimal rezipiert werden kann (rezipieren = geistig aufnehmen bzw. verarbeiten).
  • Außerdem werden diese beiden Aufgaben, also das Lektorat und das Redigieren – wenn sie auch in ihrer praktischen Umsetzung in vielen Fällen gleich sein mögen – in Unternehmen, Verlagen oder Zeitungen von unterschiedlichen Personen ausgeführt: Während, wird von einem Redigieren gesprochen, sehr häufig ein Journalist bzw. Redakteur an die Aufgabe gesetzt wird, erledigt das Lektorat ein Lektor oder Korrektor, wenn kein fachfremdes Personal für solche Aufgaben eingesetzt wird (Dass es keiner bestimmten beruflichen Position bedarf um redigieren zu dürfen erfahren Sie weiter unten).
  • Werden Texte von verschiedenen Autoren geschrieben, kann das Redigieren auch bedeuten, dass alle Texte an bestimmte Standards angepasst und in Bezug auf manche Aspekte vereinheitlicht werden. Doch auch dieser Arbeitsschritt wird im Rahmen eines Lektorats, welches mit speziellen Anweisungen vereinbart wurde, abgedeckt.
  • Fazit: Der wesentliche Unterschied zwischen dem Lektorat und dem Redigieren ist, dass bei dem Letzteren auch das Layout eines Textes optimiert wird.

 

redigierenWas wird redigiert? Beispiele

  • Die unterschiedlichsten Arten von Texten können redigiert werden, beispielsweise eine Website, ein Zeitungsartikel, ein Manuskript, ein Buch oder eine Zeitschrift. Auch einzelne Anzeigen (wie Werbeanzeigen oder Kleinanzeigen) können von einem solchen Arbeitsschritt betroffen sein.
  • Obwohl wir das Wort redigieren eher selten verwenden und stattdessen zur Beschreibung unserer Arbeit die Verben lektorieren oder korrigieren bevorzugen, fiel in der Produktbeschreibung zur Liebesbrief-Korrektur ebenfalls das Wort redigieren. Der Grund dafür: Im Rahmen dieser Dienstleistung ist die Bezeichnung Lektorat nicht ausreichend, da die Arbeit in ganzheitlicher Art erfolgt. Eine ähnliche Situation finden wir bei dem Bewerbungsservice vor (welcher in seinem Umfang jedoch über ein bloßes Redigieren hinausgeht): Es genügt nicht ein Korrektorat oder Lektorat durchzuführen, weil weitere Aspekte berücksichtigt werden müssen. Da das Redigieren von Texten aufwändiger ist als das Korrigieren oder Lektorieren, wird es auch zu einem höheren Preis angeboten.
  • Apropos: Produktbeschreibungen können natürlich ebenfalls redigiert werden.

Nachdem wir nun die Semantik des Wortes redigieren aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet haben, dürfte es Ihnen leicht fallen sich die Bedeutung dieses Wortes einzuprägen.

In den folgenden Absätzen erhalten Sie weitere interessante Informationen zu diesem Arbeitsvorgang bzw. zu diesem Wort.

 

Wer redigiert in der Praxis?

  • Das Redigieren von Texten ist eine der zentralen Aufgaben eines Journalisten. Doch nicht nur Journalisten können einen solchen Arbeitsauftrag erhalten: Nicht selten werden Lektoratsmitarbeiter oder auch studentische Hilfskräfte mit diesem Arbeitsschritt beauftragt.
  • Im Prinzip ist dieser Arbeitsteil jedoch nicht an die Ausübung einer bestimmten Position gebunden: Jeder Mensch kann mindestens ein Mal in seinem Leben in die Situation kommen einen Text redigieren zu müssen. Ein Beispiel: Ein Fliesenleger, der einen Liebesbrief schreibt und diesen abschließend prüft, kann sich rühmen einen Text redigiert zu haben.

 

Welche Talente muss man mitbringen um erfolgreich redigieren zu können?

  • Die Erfahrung hat gezeigt: Wie auch bei vielen anderen Aufgaben macht auch in Sachen Redigieren die Übung den Meister. Neben bestimmten Grundbegabungen wie einem guten Sprachgefühl und der Sicherheit in der Rechtschreibung muss eine Person, die redigiert, meist auch Wissen über Textsorten mitbringen. Dass darüber hinaus auch inhaltliches Wissen über den jeweiligen Fachbereich erforderlich ist, haben wir bereits oben erwähnt.
  • Manche Dinge gehören nicht zur Begabung: Beim Redigieren müssen häufig bestimmte Regeln der jeweiligen Fachzeitschrift, Zeitung, Website oder des Unternehmens befolgt werden. Damit das Resultat zur Zufriedenheit Aller beiträgt, ist es wichtig, dass bestimmte Standards kommuniziert werden: Will beispielsweise der Chefredakteur bzw. der Redaktionsverantwortliche, dass die Leser grundsätzlich mit „Du“ angeredet werden, so muss ein neu einzuarbeitender Redakteur über diese Handhabung informiert werden.

 

Tipps für das Redigieren – Beispiele, Übersichten, Checkliste und Tools

Wenn Sie sich selbst in der Situation befinden etwas redigieren zu müssen, gehen Sie – vorausgesetzt Sie bringen die für diese Tätigkeit erforderlichen Soft und Hard Skills mit – am besten die folgende Check-Liste durch:

  • Ist die Sprache des Textes einwandfrei? Wurden an den wichtigen Stellen Kommas gesetzt (siehe lustige Beispiele für Missverständnisse, die durch schlampige Kommasetzung entstehen können)?
  • Gibt es semantische Mängel (Beispiele: Aussagen, die unzutreffend sind oder falsch verwendete Wörter)?
  • Weist der Text eine nicht zu hohe Dichte an Füllwörtern auf?
  • Haben Sie die vorgegebenen Standards eingehalten (Beispiel: Ein Fachmagazin will, dass grundsätzlich kein Fazit genannt wird und dass die Zusammenfassung stets zu Beginn eines Textes erscheint)?
  • Benötigen Sie zur Einschätzung der Richtigkeit fachlicher Aussagen noch einen Experten?
  • Verrutschen die Bilder in dem Content Management System (Halten Sie die vorgegebenen Regeln ein)?
  • Gibt es sonstige optische Mängel, welche es zu beseitigen gilt?
  • Bestehen irgendwelche juristischen Einwendungen gegen diesen Artikel (Ist er mit der aktuellen Gesetzeslage zu vereinbaren? Sind Abmahnungen zu befürchten bezüglich des Copyrights bzw. der Verwendung von Bildern oder bezüglich diverser Aussagen?)? Zur Beantwortung dieser Frage ist nicht selten ein Rechtsbeistand erforderlich wie die Rechtsabteilung eines Unternehmens oder ein Rechtsanwalt, welcher beauftragt werden muss.
  • Ist der Artikel reif für eine Veröffentlichung, und wird er dazu in der Lage sein viele Menschen zu begeistern, oder müssen vorher noch Änderungen vorgenommen werden?

Auf der Unterseite Tools für das Redigieren von Texten finden Sie hilfreiche kostenlose Programme und Websites, die bei Brainstorming, Plagiatsprüfung und weiteren Fragen, die sich Ihnen im Rahmen Ihres Arbeitsprozesses stellen, helfen können.

 

Zum Abschluss noch ein paar linguistische Details zu diesem Wort

Wie trennt man das Wort redigieren? 

Die richtige Trennung: re di gie ren

 

Wie spricht man es aus?

Aussprache des Wortes: [ʀediˈɡiːʀən]

 

Autorin: M.A. J. Dörfler, Germanistische Linguistik

 

Weiterführende Lektüre:

  • Brunner, Stefan: Redigieren (Praktischer Journalismus)
  • Englert, Sylvia: So lektorieren Sie Ihre Texte. Verbessern durch Überarbeiten: Schritt für Schritt von der Erstfassung zum fertigen Manuskript
  • Glomp, Ingrid: Besser schreiben in jeder Situation: An Beispielen lernen
  • Hajnal, Ivo und Item, Franco: Schreiben und Redigieren – auf den Punkt gebracht: Das Schreibtraining für Kommunikationsprofis
  • Häusermann, Jürg: Journalistisches Texten: Sprachliche Grundlagen für professionelles Informieren (Praktischer Journalismus)
  • Häusermann, Jürg: Schreiben (Wegweiser Journalismus)
  • Steinhauer, Anja und Dudenredaktion: Ja wie denn nun? Der Sprachratgeber für Textprofis